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GPK    12.06.2024

Gesundheitspolitisches Kolloquium zum Landespflegebericht Bremen 2023

Am 12. Juni fand das letzte gesundheitspolitische Kolloquium des Sommersemesters 2024 statt, das sich dem Landespflegebericht Bremen 2023 widmete. Dieses gesundheitspolitische Kolloquium widmete sich dem Thema "Stand und Entwicklung der pflegerischen Versorgung im Bundesland Bremen" und präsentierte zentrale Ergebnisse sowie Empfehlungen für die zukünftige Ausrichtung der Pflegeinfrastruktur.

Gemäß §4 Abs. 1 des Bremischen Ausführungsgesetzes zum Pflege-Versicherungsgesetz (BremAG-PflegeVG) ist das Land Bremen verpflichtet, eine Planung der pflegerischen Versorgungsstruktur aller ambulanten, teilstationären und stationären Pflegeeinrichtungen im Sinne des §71 SGB XI zu erstellen. Die Ziele des Projekts "Landespflegebericht Bremen 2023" sind die Bedarfsermittlung von Pflegeangeboten und der Abgleich mit der vorhandenen Versorgungsstruktur, um daraus Empfehlungen für einen Leitplan abzuleiten. In dieser Veranstaltung wurden die zentralen Ergebnisse und Empfehlungen des Berichts vorgestellt und diskutiert. Die Veranstaltung wurde von Prof. Dr. Heinz Rothgang und Benedikt Preuß moderiert.

Die Präsentation der Ergebnisse verdeutlichte mehrere demografische und strukturelle Entwicklungen im Land Bremen und Bremerhaven. Die Bevölkerung in den beiden Städten altert bis 2035 weniger stark als in Deutschland und den meisten anderen Bundesländern. Die absolute Zahl der Personen im Alter von 80+ und deren Anteil an der Gesamtbevölkerung sinkt, während die Anzahl der jungen Alten (67–79 Jahre) zunimmt, was für pflegeunterstützende Angebote und offene Altenhilfe relevant ist. Es kommt zu Verschiebungen der Altersverteilung in den Stadtteilen: jüngere Stadtteile altern zunehmend, während ältere Stadtteile sich verjüngen.
Der Anstieg der Pflegebedürftigen in den letzten Jahren um ca. 15.000 resultiert vor allem aus Zunahmen bei Pflegegeld, Kombinationsleistungen und Personen mit Pflegegrad 1. Bis 2030 wird nur ein moderater Anstieg von rund 1.000 Pflegebedürftigen im Land Bremen erwartet, wobei sich der Versorgungsgrad in Bezug auf die meisten Angebote verschlechtert hat.

Die Handlungsempfehlungen zielen darauf ab, diese Entwicklungen zu adressieren und die pflegerische Versorgung im Land Bremen zu verbessern.
Es haben sich drei Schwerpunkte der Handlungsempfehlungen herauskristallisiert:


1. Regelmäßiges Monitoring:
Ein regelmäßiges Monitoring, basierend auf dem Landespflegebericht 2023, soll im zweijährigen Turnus durchgeführt werden. Dazu gehört die stadtteilbezogene Ergänzung für Bremerhaven sowie die Vereinheitlichung der Datenzugänge und -haltung. Zusätzlich sollen weitere Angebote wie Servicewohnen und Hospize erfasst und Indikatoren für die Bedarfsgerechtigkeit der medizinischen Versorgung angewendet werden. Schwerpunktthemen sollen ebenfalls ergänzt werden, um eine umfassende und aktuelle Datenlage zu gewährleisten.


2. Strukturplanung auf Grundlage der Pflegeberichterstattung:
Die Strukturplanung betont den Grundsatz „ambulant vor stationär“ (§3 SGB XI) und priorisiert die Pflege im Quartier. Eine kleinräumige Planung ist essenziell, um den spezifischen Bedürfnissen der einzelnen Stadtteile gerecht zu werden. Diese Planung soll sicherstellen, dass die Versorgungsstrukturen den demografischen Veränderungen und den damit verbundenen Pflegebedarfen angepasst werden.


3. (Weiter)Entwicklung der Versorgungsinfrastruktur:
Maßnahmen zur Angleichung der Versorgungssituation auf den Stand von 2015 werden empfohlen. Dies umfasst die Angleichung der Versorgung auf Stadtteilebene, die (Rück)Gewinnung von Pflegekräften, die finanzielle Entlastung von Pflegeheimbewohner, die direkte Unterstützung der informellen Pflege, Angebote zur Steigerung der Mobilität und die Förderung von Gesundheits- und Versorgungszentren. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Versorgungsinfrastruktur nachhaltig zu stärken und den zukünftigen Herausforderungen gewachsen zu sein.


Zu beachten ist, dass es an der Vernetzung der Institutionen mangelt und Inkonsistenzen zwischen den Daten aus Bremen und Bremerhaven bestehen. Zudem lag der Fokus der Prognose auf kleinräumigen Entwicklungen, die nur über rel. kurzen Zeitraum valide Daten geben und bei der Entwicklung werden lediglich die demografischen Effekte berücksichtigt, politische Veränderungen, die auf die Entwicklung der Pflegebedürftigen oder der Pflegenden abzielen, können nicht berücksichtigt werden.

Das Gesundheitspolitische Kolloquium war gut besucht und endete mit einer angeregten Diskussion. Der Austausch und die Vernetzung boten wertvolle Einblicke aus den unterschiedlichen Perspektiven von Wissenschaftlern, Fachkräften und interessierten Personen sowie aus Politik und Start-ups. Dieser lebhafte Dialog zeigte die Relevanz und Aktualität des Themas und verdeutlichte, wie wichtig der interdisziplinäre Austausch für die Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgung ist.

Der IGB freut sich über den gelungenen Abschluss der Sommersemester-Kolloquium-Reihe und blickt voller Vorfreude auf das kommende Wintersemester, in dem weitere spannende Themen und Diskussionen zu erwarten sind.

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