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IGB unterwegs    30.11.2023

DAK veröffentlicht Landesbericht zur häuslichen Pflege

Die meisten Bremer organisieren die Pflege selbst. Handlungsbedarf sieht die Studie hingegen bei der Beratung

Die DAK hat die Länderauswertung des DAK-Pflegereport „Häusliche Pflege – das Rückgrat der Pflege in Deutschland" Analysen, Befunde, Perspektiven“ vorgestellt. Unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Klie hat ein wissenschaftliches Konsortium aus dem Institut für Demoskopie Allensbach, AGP Sozialforschung Freiburg und der Optimedis AG Hamburg dafür die Situation pflegender Angehöriger untersucht. 

Dabei kam heraus: Ein Großteil der Bremer pflegt ihre Angehörigen im häuslichen Umfeld. Doch das bringt auch Probleme mit sich. Knapp jeder vierte pflegender Angehöriger hat sich bereits mehrmals im Job krankgemeldet, bei Krankengeldbezug war es sogar jeder Dritte.

Studienleiter Prof. Klie sagt: „Grundsätzlich ist Deutschland ein Land, in dem die Pflegebereitschaft sehr ausgeprägt und in allen Altersgruppen verankert ist. Dominant ist hierbei die selbstorganisierte Pflege. Jedoch haben wir auch Versorgungslücken und überlastete Pflegedienste. Die Politik, so die Einschätzung der Bürger, vernachlässigt zudem die Pflege.“  

Klie erklärt weiter: "Wir haben in dem Pflegereport 2022 die häusliche Pflege aufgegriffen. Ein Thema, welches mir nicht nur persönlich sehr am Herzen liegt, sondern auch politisch aktuell ist. Der Wunsch von vielen Pflegebedürftigen auf Pflege in der eigenen Häuslichkeit und damit ein Leben im vertrauten Umfeld ist groß. Daher möchten wir mit unserem bremischen Pflegereport einen Blick auf jenen Bereich werfen, der bisher allzu oft geringe Beachtung erfahren hat. Die Daten zeigen, welchen Stellenwert die häusliche Pflege bereits heute und in Anbetracht der demografischen Entwicklung, als wichtige Säule der pflegerischen Versorgung im Land Bremen, haben wird.“ 

Die Zahlen für Bremen im Detail:

  • Mehr als jeder Zweite (57 Prozent) der Pflegebedürftigen in Bremen greift auf einen Pflegedienst zurück. Der Bundesdurchschnitt liegt hier bei 55 Prozent.  
  • Rund ein Drittel der Menschen (35 Prozent) kommen ins Pflegeheim.
  • 36 Prozent nutzen die Kurzzeitpflege. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 31 Prozent.
  • 31 Prozent bekommen Hilfe von Freunden.
  • Als finanzielle Unterstützung wird in Bremen, deutlich häufiger als in anderen Bundesländern, die Krankenversicherung (60 Prozent) und die Pflegeversicherung (82 Prozent) in Anspruch genommen. Knapp 58 Prozent setzen zudem laufende Einkünfte zur Versorgung ihrer Angehörigen ein.
  • Einen großen Handlungsbedarf sehen die Experten bei der Durchlässigkeit des Informationsflusses. Nur 35 Prozent nehmen eine professionelle Beratung in Anspruch. Prof. Klie: „ Der Wert ist sehr niedrig. Hierbei sollte man besonders die Frage der Zugänglichkeit stärker thematisieren.“

Um die Herausforderungen der Pflege in den Griff zu bekommen, wirbt Professor Klie künftig für eine ressortübergreifende Bewältigung des Themas. Er sagt: „Im Hinblick auf die Zukunft der Pflege in Bremen ist es unerlässlich, gemeinsam Wege zu gehen, die ressortübergreifend für die Unterstützung und Entlastung der Pflegebedürftigen sowie deren pflegenden Angehörigen sorgen. Wenn man das Älterwerden auch als Gestaltungsmöglichkeit sieht, könnte es zum Beispiel sinnvoll sein, die Pflege mit Bildung zu verbinden.“   

Michael-Niklas Rühe, Leiter der DAK Landesvertretung Bremen und Bremerhaven, versichert: „Wir sehen, dass es im Bereich der Pflege einen Handlungsbedarf gibt. Die Zahlen des DAK-Pflegereports fließen in die Bundespolitik ein.“

Am Rande der Veranstaltung gab es auch eine Ehrung. Eberhard Muras von der Bremer Bürgerstiftung wurde im Rahmen des DAK-Wettbewerbs "Gesichter für ein gesundes Miteinander“ für das Projekt „Hol mal Luft!“ ausgezeichnet. Ziel des Projektes ist es pflegenden Angehörigen eine Auszeit von der häuslichen Pflege zu ermöglichen. Muras sagt: „Aus der Diakonie und der Kirche kennt man viele traurige Geschichten. Wir wollen Angehörige einladen, ausführen und ihnen zum Beispiel mit einem Restaurantbesuch einen glücklichen Abend schenken.“
Das Projekt der Bürgerstiftung ist für die Bundessiegerehrung am 11. Dezember in Hamburg nominiert. Und auch der nächste Pflegereport ist schon in Planung. Dann steht die berufliche Pflege im Fokus.

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